Der Ruf | 1. Mose 12-15
Folge 7 von 15 in 1. Mose / Genesis
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Folge 7 – 1. Mose 11,27 – 15,21

Der Ruf | 1. Mose 12-15

Gott ruft Abram in radikale Entwurzelung. Im Tierhälften-Bund geht Gott allein durch das Blut und übernimmt im Voraus die Strafe des Bundesbruchs.

Folge7 von 15Bibeltext1. Mose 11,27 – 15,21Dauer00:21:42
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Der Ruf | 1. Mose 12-15

Gott ruft Abram in radikale Entwurzelung. Im Tierhälften-Bund geht Gott allein durch das Blut und übernimmt im Voraus die Strafe des Bundesbruchs.

1. Mose 11,27 – 15,21Folge 7 von 15

Fragen zum Bibeltext

  • Was fordert der HERR Abram in Genesis 12 auf zu tun?
  • Welche Zusagen erhält Abram in Genesis 12?
  • Was geschieht beim Bundesschluss in Genesis 15?

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Transkript der Folge

Dieses Transkript wurde aus der Aufnahme redaktionell aufbereitet. Es ergänzt das Hören; maßgeblich bleibt die veröffentlichte Audiofolge.

Sicherheit und der Ruf ins Ungewisse

Sicherheit. Es ist wohl das, wonach wir Menschen uns am allermeisten sehnen. Ein festes Dach über dem Kopf, ein geregeltes Einkommen, ein vertrautes soziales Netz. Wir bauen uns gerne Nester, schlagen tiefe Wurzeln und richten uns ein. Doch was geschieht, wenn Gott dich genau aus dieser Komfortzone herausruft? Was passiert, wenn er von dir verlangt, deine gesamte Lebensplanung über den Haufen zu werfen und ins absolute Ungewisse aufzubrechen? Wir betrachten heute den Lebensweg eines Mannes, dessen Geschichte mit einer solchen radikalen Entwurzelung beginnt. Ein Mann, der alles verlassen musste, um eine Verheißung zu erben, die er in seinem irdischen Leben nie vollendet sehen sollte. Seine Reise führt uns mitt hinein in das Herz Gottes und sie zeigt uns einen Bundesschluss, der damals absolut revolutionär war und uns heute noch den Atem raubt. Dieses Ereignis markiert eine fundamentale Wende in der Heilsgeschichte und es legt ein unverrückbares Fundament für das, was wir in dieser ersten Staffel untersuchen, die Grundlagen des Bundes. Bevor wir Abraham auf seinem Weg folgen, blicken wir kurz auf seine Familie. Seine Geschichte beginnt in Ur, einer hochmodernen reichen Metropole im fruchtbaren Mesopotamien. Abrahams Vater Terach beschließt mit seiner Familie nach Kanaan zu ziehen. Sie packen ihre Sachen, reisen los, doch sie kommen nur bis Haran. Dort bleiben sie stecken. Sie richten sich im halben Weg ein und Terach stirbt dort. Es ist eine unterschwellige Tragödie, die oft übersehen wird, auf halbem Weg zur Verheißung stehen zu bleiben. Aber bei Abraham, da macht Gott einen Neuanfang.

Abrahams Aufbruch und Gottes Treue

Abraham ist 75 Jahre alt, als ihn der Ruf Gottes trifft. Er hat keine Kinder. Seine Frau Sarei ist unfruchtbar. Biologisch und familiär betrachtet befindet sich diese Ehe in einer absoluten Sackgasse. Kein Erbe, keine Zukunft, keine soziale Absicherung im Alter. Und in genau diese Ausweglosigkeit hinein spricht Gott sein Wort. Er fordert Abraham auf, sein Land, seine Verwandtschaft und das Haus seines Vaters zu verlassen. Drei konzentrische Kreise der Sicherheit, die Abraham hinter sich lassen soll. Im Austausch dafür gibt Gott ihm ein Versprechen. Er will ihn zu einem großen Volk machen, ihn segnen, seinen Namen groß machen und ihn zu einem Kanal des Segens für die ganze Erde machen. Abraham gehorscht. Er zieht los, ohne zu wissen, wohin der Weg ihn eigentlich führt. Er wandert durch das Land Kanaan, baut Altäre in Sichem und Betel, markiert das Land quasi im Glauben für seinen Gott. Doch der Weg des Glaubens verläuft keineswegs geradlinig. Die Bibel zeichnet keine makellosen heiligen Bilder. Abraham begegnet einer schweren Hungersnot im verheißenen Land. Die Krise treibt ihn nach Ägypten und dort sehen wir seine Schwach. Aus Angst um sein Leben gibt er Sarai als seine Schwester aus, überläßt sie dem Harem des Pharao, um sich selbst zu schützen. Es ist ein moralisches Disaster. Abraham verlässt sich auf eine Lüge, statt auf die Zusage Gottes. Aber Gott bleibt seinem Plan treu. Er straft Pharao mit Plagen, rettet Sarai und bringt das Paar unversehrt, sogar reich beschenkt, wieder zurück nach Kanaan. Hier zeigt sich zum ersten Mal ein zentrales Prinzip. Gottes Treue hängt nicht von der Perfektion seiner Werkzeuge ab.

Lot, Krieg und Melchisedek

Wieder zurück im Land kommt es zum Konflikt. Die Herden von Abraham und seinem Neffen Lot sind zu groß geworden. Das Land kann sie nicht beide ernähren. Abraham erweist sich hier als zutiefst großzügig. Er verzichtet auf sein Recht als Älterer und sagt zu Lot: "Wähle du zuerst, wenn du nach links gehst, gehe ich nach rechts." Lot blickt mit reinen materiellen Augen auf die Landschaft. Er sieht das fruchtbare, gut bewässerte Tal des Jordan nah bei den Städten Sodom und Gomorra. Er wählt das scheinbare Paradies, das sich bald als moralische Hölle erweisen wird. Abraham bleibt im Kargen Hügelland zurück. Doch kaum hat Lot sich abgewandt, erneuert Gott sein Versprechen an Abraham. Schau nach Norden, Süden, Osten und Westen. All dieses Land gebe ich dir und deinen Nachkommen. Und dann bricht der Krieg aus. Vier mächtige Könige aus dem Osten fallen in das Jordantal ein, plündern die Städte, unterwerfen die Herrscher und nehmen auch Lot gefangen. Abraham, der friedliche Nomade, wird plötzlich zum militärischen Anführer. Er bewaffnet 318 seiner im Haus geborenen Knechte, holt die feindlichen Heere in einem nächtlichen Überraschungsangriff ein, besiegt sie und bringt Lot und die gesamte Beute zurück. Auf dem Rückweg ereignet sich eine der geheimnisvollsten Szenen des Alten Testaments. Im Königstal begegnen Abraham zwei völlig unterschiedliche Herrscher. Zuerst tritt ihm Melchisedek entgegen. Er ist der König von Salem, was Frieden bedeutet, und er ist Priester Gottes des Allerhöchsten. Er bringt keine Forderungen, er bringt Brot und Wein. Er segnet Abraham. Und Abraham erkennt die geistliche Autorität dieses Mannes an, indem er ihm den zehnten der gesamten Beute gibt. Gleich darauf tritt der König von Sodom an Abraham heran mit einem typisch weltlichen Deal. Gib mir die Menschen, die Beute kannst du behalten. Aber Abraham lehnt rigoros ab. Er hebt seine Hand zum Schwur und sagt: "Nicht einen Faden oder Schuhriemen nehme ich von dir, damit du niemals sagen kannst, ich habe Abraham reich gemacht. Abraham will seine Versorgung und seinen Segen von niemand anderem empfangen als von Gott allein.

Berufung, Segen und Gerechtigkeit aus Glauben

Lass uns nun die Lupe nehmen und ganz tief in drei Schlüsselabschnitte dieses Textes hineinblicken. Wir beginnen mit der Berufung Abrahams am Anfang von Kapitel 12. Hören wir den genauen Wortlaut des Bibeltextes. Mose 12 Verse 1 bis 3. Der Herr aber hatte zu Abraham gesprochen: "Geh hinaus aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde, und ich will dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen und verfluchen, die dich verfluchen. Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde. Achte auf die Struktur dieser Worte. Gott verlangt viel, aber er verspricht unendlich mehr. Er verspricht Abraham ein Land, Nachkommen und einen großen Namen. Das hebräische Wort für Namen ist Schem. Erinnerst du dich an das letzte Kapitel? Beim Turmbau zu Babel wollten die Menschen sich selbst einen Namen, einen Schemm machen. Das endete im Gericht. Hier sehen wir den göttlichen Gegenentwurf. Gott selbst macht den Namen dessen groß, der ihm vertraut. Und diese Segenslinie ist der Wendepunkt der Genesis. In den Kapiteln 3 bis 11 erlebten wir eine Kaskade des Fluchs. Der Fluch über die Schlange und den Erdboden, der Fluch über Kanaan nach der Flut. Jetzt leitet Gott die kosmische Umkehrung ein. Fünfmal fällt in diesen wenigen Versen das Wort segnen. Gottes Ziel ist es, den Fluch zurückzudrängen. Und dieser Segen soll nicht bei Abraham stehen bleiben. Er soll zu allen Völkern fließen. Das hebräische Wort für Segen, Beracha meint nicht materiellen Wohlstand. Es meint die lebensspendende Gegenwart Gottes, seine Gunst und seinen Frieden. Und Gott sagt, du sollst ein Segen sein. Das bedeutet für dich heute, wenn Gott dich segnet, dann tut er das nie nur für dich privat. Er segnet dich, damit dieser Segen durch dich weiterfließt, in deine Familie, an deinen Arbeitsplatz, zu deinen Nachbarn. Als Christ bist du als Durchgangsstation für Gottes Gnade gedacht, nicht als Endlager. Als nächstes blicken wir auf die mysteriöse Begegnung mit Melchisedek in Kapitel 14. Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei, und er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: "Gesegnet sei Abraham von Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde. Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat." und gab ihm den zehnten von allem. Wer ist dieser Mann? Er taucht aus dem Nichts auf und verschwindet wieder im Dunkel der Geschichte. Er hat keine im Text erwähnte Abstammung, was in der Genesis, einem Buch der Ahnentafeln, absolut außergewöhnlich ist. Der Name Melchisedek bedeutet König der Gerechtigkeit. Salem steht für Frieden. Er ist Priester und König zugleich. Diese beiden Ämter waren im späteren Gesetz Moses streng getrennt. Könige kamen aus dem Stamm Juda, Priester aus dem Stamm Levi. Und noch etwas ist bemerkenswert: Melchisedek dient dem allerhöchsten Gott El Elyon. Das Spannende ist, Abraham übernimmt diesen Namen sofort und identifiziert ihn direkt mit dem einen wahren Gott. Später sagt er zum König von Sodom, daß er seine Hand zu Jahwe, dem allerhöchsten Gott, erhoben hat. Sie beten denselben Schöpfer an, den Besitzer des Himmels und der Erde, aber Melchisedek vereint beides in einer Person und er bringt Brot und Wein. Im historischen Kontext war das zunächst eine sehr praktische Geste der Gastfreundschaft, um Abraham und seine erschöpften Männer nach dem Kampf zu stärken. Und gleichzeitig weist dieses Brot und Wein prophetisch voraus, Symbole, die jeden christlichen Hörer sofort an das Abendmahl denken lassen. Der Hebräerbrief im neuen Testament widmet diesem Mann ein ganzes Kapitel und erklärt: Melchisedek ist das große heilsgeschichtliche Vorbild, das Urbild für Jesus Christus. Jesus ist der wahre Priesterkönig, der uns Brot und Wein bringt und segnet und dessen Priestertum älter und größer ist als das levitische Priestertum Israels. Und nun kommen wir zu Kapitel 15, einem der fundamentalsten Kapitel der ganzen Heiligen Schrift. Abraham sorgt sich um seine Kinderlosigkeit. Er fragt Gott: "Soll mein Knecht Elieser von Damaskus mein Erbe sein?" Er führt Abraham in der Nacht nach draußen und spricht erste Mose 15 Verse 5 bis 6. Und er führte ihn hinaus und sprach: "Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst." Und er sprach zu ihm: "So soll dein Same sein." Und Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. Achte auf das Wort Glauben. Im Hebräischen steht hier Aman. Es ist das Wort, von dem sich unser deutsches Wort Amen ableitet. Es bedeutet eigentlich sich festmachen in etwas, sich festgründen auf einer sicheren Basis. Abraham stützt sich mit seinem ganzen Gewicht auf das Wort Gottes. Er schaut auf die unzähligen Sterne am Wüstenhimmel und sagt innerlich: "Aman, so wird es sein, weil Gott es gesagt hat." Und Gott reagiert darauf. Er rechnet Hebräisch chaschav ihm das als Gerechtigkeit an. Haschaf ist ein Begriff aus der Buchhaltung. Es bedeutet etwas auf ein Konto einzutragen, das demjenigen eigentlich gar nicht gehört. Abraham war keineswegs ein fehlerfreier Mann, wie wir in Ägypten gesehen haben. Doch weil er Gott vertraut, verbucht Gott auf seinem Konto das Prädikat gerecht. Hier wird das Prinzip der Rechtfertigung aus Glauben formuliert. Jahrhunderte vor dem Gesetz des Mose. Paulus baut im Römerbrief und im Galaterbrief seine gesamte Argumentation auf diesem einzigen Vers auf. Das bedeutet für dich, deine Gerechtigkeit vor Gott beruht nicht auf einer fehlerfreien Liste guter Taten. Du wirst gerecht, indem du Jesus vertraust, indem du seine Gerechtigkeit auf dein leeres Konto verbuchen lässt. Es ist ein reines Gnadengeschenk, dass du im Glauben annehmen darfst.

Der Bund zwischen den Tierhälften

Doch wie besiegelt Gott dieses unfassbare Versprechen? Abraham fragt in Vers 8: Herr, woran soll ich erkennen, dass ich dieses Land besitzen werde? Die Antwort Gottes ist ein uraltes, für unser modernes Empfinden fast schockierendes Ritual. Er befiehlt Abraham eine Kuh, eine Ziege, einen Widder und Tauben zu bringen. Abraham soll die Tiere in der Mitte zerteilen und die Hälften einander gegenüberlegen. In der antiken Welt des Nahen Ostens war dies das übliche Verfahren, um einen Bund hebräisch Berit zu schließen. Man sagte damals im Nahen Osten: "Einen Bund schneiden." Hebräisch Karat Berit statt einen Bund schließen. Die Vertragspartner mussten gemeinsam zwischen den blutigen Tierhälften hindurchgehen. Dies war ein visualisierter Selbstfluch, mit dem sie wortlos sagten: "Möge es mir ergehen wie diesen getöteten Tieren, wenn ich diesen Bund breche." Abraham bereitet alles vor und er vertreibt die Raubvögel von den Kadavern. Die Sonne geht unter und es wird dunkel. Und dann geschieht etwas Unfassbares. Abraham fällt in einen tiefen Schlaf. Es ist derselbe übernatürliche Schlaf, der schon Adam befiel, als Gott Eva aus seiner Rippe baute. Abraham schläft tief. Er kann nicht handeln, er ist passiv. Hören wir, was nun geschieht. Und es geschah, als die Sonne untergegangen und es finster geworden war. Siehe, ein rauchender Glutofen und eine Feuerfackel, wie zwischen den Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag machte der Herr einen Bund mit Abraham und sprach: "Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis an den großen Strom den Euphrat. Sieh dir diese Symbole genau an. Der rauchende Glutofen und die Feuerfackel. Rauch und Feuer. Es sind dieselben Manifestationen, in denen Gott sich später auf dem Sinai offenbart und die das Volk Israel als Wolken und Feuersäule durch die Wüste leiten. Es ist die sichtbare Gegenwart des Schöpfers selbst. Und nun der absolute theologische Höhepunkt. Wer geht zwischen den Tierhälften hindurch? Nur Gott allein. Abraham schläft, er geht nicht hindurch. Gott geht als rauchender Ofen und brennende Fackel allein durch das Blut. Das bedeutet, Gott schließt hier einen einseitigen, bedingungslosen Bund. Und das ist der fundamentale Unterschied zum späteren Bund am Sinai. Das Gesetz des Mose war ein zweiseitiger Bund. Wenn das Volk gehorcht, wird es gesegnet. Wenn es ungehorsam ist, wird es verflucht. Aber hier in Genesis 15 schwört Gott bei sich selbst und nimmt die gesamte Last des Bundesbruchs im Voraus auf sich. Er sagt damit: Abraham, wenn du oder deine Nachkommen diesen Bund brechen, dann werde ich dafür gerichtet werden. Dann werde ich zerrissen werden wie diese Tiere. Hier in der Wüstennacht von Genesis wirft das Kreuz von Golgatha seinen ersten gigantischen Schatten voraus. Denn genau das ist an Ostern passiert. Der Mensch hat den Bund gebrochen, aber Gott selbst in seinem Sohn Jesus Christus wurde zerrissen. Er trug den Fluch des Bundesbruchs an seinem eigenen Leib, damit wir die Verheißung erben können.

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