
Folge 2 – 1. Mose 1,1 – 2,3
Der Anfang aller Dinge | 1. Mose 1-2
Gott erschafft die Welt aus dem Nichts durch Sein Wort: Er baut sie als Seinen Tempel, setzt den Menschen ein und vollendet alles in Seiner Thronruhe.
In dieser Folge
Der Anfang aller Dinge | 1. Mose 1-2
Gott erschafft die Welt aus dem Nichts durch Sein Wort: Er baut sie als Seinen Tempel, setzt den Menschen ein und vollendet alles in Seiner Thronruhe.
Fragen zum Bibeltext
- Wie beginnt der Schöpfungsbericht in Genesis 1?
- Was sagt Genesis 1 über die Erschaffung des Menschen?
- Was berichtet Genesis 2 über den siebten Tag?
Mitlesen
Bibeltext in deiner Übersetzung öffnen
Wähle deine bevorzugte Übersetzung. Der Browser merkt sich die Auswahl für die nächste Folge.
Zum Nachlesen
Transkript der Folge
Dieses Transkript wurde aus der Aufnahme redaktionell aufbereitet. Es ergänzt das Hören; maßgeblich bleibt die veröffentlichte Audiofolge.
Die eigentliche Frage von Genesis 1
Wenn du die erste Seite deiner Bibel aufschlägst, begegnet dir sofort ein Spannungsfeld. Unterschiedliche Meinungen treffen hier aufeinander. Du schlägst das erste Kapitel auf und hast sofort all die lauten Fragen im Ohr. Wie alt ist die Erde? Gab es einen Urknall? Wie passt das mit der Evolution zusammen? Sechs buchstäbliche Tage oder Jahrmillionen? Es ist ein zutiefst menschliches und wissenschaftliches Bedürfnis, die Mechanismen der Welt zu verstehen. Kosmologie, Physik, Biologie, all diese Disziplinen suchen nach dem Wie der Entstehung. Doch wer Genesis 1 ausschließlich mit den Fragen eines modernen Physikbuchs liest, überhört leicht das Eigentliche. Wir suchen nach mathematischen Gleichungen und übersehen dabei das theologische Fundament. Wir überhören die Melodie, die dieser Text singt. Genesis 1 ist weit mehr als ein bloßes literarisches Kunstwerk. Es ist die von Gott offenbarte Realität der Schöpfung, festgehalten durch Mose. Da kein Mensch bei der Schöpfung anwesend war, hören wir hier den Augenzeugen Bericht des Schöpfers selbst, wie er ihn Mose offenbarte. Wir werden heute sehen, Gott begegnet uns hier als der souveräne Schöpfer, der eine vollkommene Ordnung ins Dasein ruft. Seine Schöpfung ist ein realer geordneter Raum für seine Gegenwart. Lass uns diesen Text, der uns so vertraut scheint, noch einmal ganz neu hören. Wir betrachten fünf Schlüsselverse aus dem Bericht der Schöpfung.
Schöpfung im Umfeld der alten Welt
Um die Kraft dieses Berichts zu erfassen, hilft ein Blick auf die damalige Umwelt Israels. Die antiken Nachbarkulturen versuchten sich den Ursprung der Welt durch die Brille ihrer Religionen zu erklären. Sie schufen Mythen wie das babylonische Enuma Elisch, in denen die Erschaffung aus einem kosmischen Götterkrieg hervorgeht. Der Gott Marduk spaltet den Körper der Chaosgöttin Tiamat und baut daraus das Universum. In diesen Mythen entspringt die Welt aus einem brutalen Kampf und aus roher Gewalt. Sie sind das Produkt menschlicher Fantasie. Genesis 1 tritt diesem geistesgeschichtlichen Chaos mit einer revolutionären Klarheit entgegen. Hier begegnet uns absolute Souveränität, Frieden und königliche Ruhe. Ein einziger Gott spricht und das Universum entsteht genauso, wie er es befiehlt. Es gibt keinen Kampf, keinen Widerstand. Der hebräische Text beschreibt den Anfangszustand der Erde mit zwei berühmten Wörtern Tohu Bohu. Im Deutschen übersetzen wir das oft mit wüst und leer. Praktisch bedeutet das die Erde war noch unbewohnbar und unbewohnt. Es gab noch keine Struktur und noch kein Leben. Und über dieser finsteren tiefen Wassermasse schwebt der Geist Gottes. Das hebräische Wort für Schweben beschreibt eigentlich das fürsorgliche Flattern eines Vogels, der über seinem Nest wacht und seine Jungen schützt. Gott bereitet diesen Zustand vor. Seine schöpferische Kraft steht bereit und dann beginnt das große Schöpfungswerk, das sich über sechs reale Tage erstreckt. Wenn du genau hinschaust, erkennst du eine vollkommene systematische Struktur. In den ersten drei Tagen formt Gott die Räume. In den Tagen 4 bis sechs füllt er diese Räume mit Leben. Am ersten Tag trennt Gott das Licht von der Finsternis. Er schafft den Raum der Zeit. Am zweiten Tag scheidet er die Wasser über dem Himmel von den Wassern darunter. Er schafft den Raum des Himmels und des Meeres. Am dritten Tag sammelt er das Wasser, das trockene Land erscheint und die Pflanzen sprießen. Er schafft den Raum des Bodens und der Nahrung.
Gott ordnet und füllt seine Schöpfung
Und nun in den Tagen 4 bis 6 füllt Gott die drei geschaffenen Räume systematisch auf. Am vierten Tag setzt er die Himmelskörper ein. Sie füllen den Raum der Zeit. Die Sonne und der Mond werden im hebräischen Text auffälligerweise gar nicht beim Namen genannt. Es heißt lediglich das große Licht und das kleinere Licht. Damit entlarft Gott den heidnischen Aberglauben. Die Nachbarvölker beteten Sonne und Mond als mächtige Gottheiten an. Die Genesis rückt das mit majestätischer Gelassenheit gerade. Sie sind bloße Leuchtträger, von Gott eingestellte Himmelskörper, um den Menschen das Licht zu spenden und die Zeiten zu regeln. Am fünften Tag füllt Gott den Himmel mit Vögeln und das Meer mit Fischen. Hier erschafft er auch die großen Meerestiere. In den heidnischen Völkern wurden diese Riesenschlangen als bedrohliche Chaosgötter gefürchtet. In der Genesis sind sie einfach lebendige Geschöpfe, die von Gott gemacht sind und seinen Willen tun. Am sechsten Tag füllt Gott das trockene Land mit Tieren und am Ende dieses Tages als Höhepunkt seines Werkes, schafft er den Menschen. Am siebten Tag ruhte Gott. Er beendet seine Arbeit. Das bedeutet keinesfalls, dass der allmächtige Gott erschöpft war und eine Pause brauchte. Sein Ruh zeugt von der Fertigstellung des Werkes. Das Haus ist bezugsfertig. Der Schöpfer nimmt seinen Thron ein, um zu regieren.
Der souveräne Schöpfer spricht
Lass uns direkt in den Text hineingehen. Schon der allererste Satz setzt den Maßstab. Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Das hebräische Verb für Schuf, Bara besitzt eine faszinierende Besonderheit. Es hat in der gesamten heiligen Schrift ausschließlich Gott als Subjekt. Ein Mensch kann zwar Formen, gestalten oder bauen, aber Bara, dieses Erschaffen aus dem absoluten nichts, das tut ausschließlich Gott. Es ist die Erschaffung Exnihilo. Und wer tut das? Der hebräische Name lautet Elohim. Im Hebräischen ist dieses Wort eine grammatikalische Pluralform, also ein Mehrzahl. Doch das Faszinierende ist, dieses Pluralwort steht hier mit einem Verb in der Einzahl, also in der Einzahl. Es heißt wörtlich im Anfang schuf einzahl, Gott, Mehrzahl. Hier deutet sich bereits ein großes Geheimnis an, die Fülle und Majestät des einen Gottes, der in sich selbst Gemeinschaft ist. Gott offenbart uns später in seiner Schöpfungswoche noch deutlicher, als er vor der Erschaffung des Menschen in Vers 26 spricht. Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. Gott spricht im Plural mit sich selbst. Hier findet ein innergöttliches Gespräch statt. Während die Nachbarvölker dachten, ein ganzer Götterrat würde beraten, zeigt uns die Genesis den einen wahren Gott, der in sich selbst Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist ist. Direkt im nächsten Vers lesen wir: "Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Hier wird von der Tiefe berichtet." Die Tiefe leistet keinen Widerstand. Sie ist stumme Materie. Sie gehorcht Gottes Wort, ohne zu zögern. Der allmächtige Gott spricht lediglich ein Wort und die Ordnung beginnt. Und dann spricht er und Gott sprach: "Es würde Licht und es ward Licht." Zehn hebräische Wörter im Urtext. Kein Werkzeug, kein Material, keine körperliche Anstrengung, nur Sprache. Vielleicht fragst du dich jetzt: "Ist das nicht naiv? Kann man das wirklich wertlich nehmen? Dieses "Es werde Licht"? Das ist eine ehrliche Frage und sie verdient eine ehrliche Antwort. Aber überlege einmal, wer das Universum aus einer einzigen unvorstellbar heißen winzigen Singularität für Plausibel hält, also aus einem mathematischen Punkt, der sich plötzlich ausdehnte, der glaubt letztlich auch an eine Schöpfung aus dem Nichts. Der entscheidende Unterschied zeigt sich in der Ursache. Wo die Naturwissenschaft vor der Grenze des Messbaren steht und das wie beschreibt, offenbart uns die Genesis, das wer. Sie bezeugt, am Anfang steht eine Person, Gott spricht. Und hinter diesem Wort steht ein persönlicher Wille, der dem Kosmos Existenz, Ordnung und Sinn verleiht, weit entfernt von Zufall oder blindem Chaos. Das Neue Testament greift genau das auf. Johannes schreibt am Anfang seines Evangeliums und es klingt wie ein bewußtes Echo von Genesis 1. Im Anfang war das Wort keine bloße Idee, keine abstrakte Naturkraft. Das Wort auf griechisch Logos bezeichnet die schöpferische Vernunft, durch die alles gemacht ist. Und dann benennt Johannes dieses Wort persönlich. Es ist Jesus Christus. Die Schöpfung in Genesis 1 ist also keine anonyme Machtdemonstration. Sie bildet den ersten Satz einer Liebesgeschichte, die ein Autor schreibt, der am Ende selbst in seine eigene Geschichte eintreten wird. Der Schöpfer von Genesis 1 ist das ewige Wort des Vaters Jesus Christus selbst. Es ist derselbe Jesus, in dem laut Kolosserbrief alles erschaffen worden ist, was im Himmel und auf Erden existiert. Und dann kommen wir zum Höhepunkt der Schöpfung, zu Vers 27. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott schafft den Menschen in seinem Bild. Im alten Orient war dieser Begriff wohl bekannt, aber er war für eine einzige Person reserviert, den König. Nur der König war das Abbild des Gottes auf Erden. In der Genesis sehen wir eine radikale Wahrheit. Die Ebenbildlichkeit gilt für jeden Menschen. Jeder Mensch besitzt die Würde, Gottes Stellvertreter auf dieser Erde zu sein. Jesus Christus selbst bezeugt diese historische Tatsache im neuen Testament. Als er nach der Ehe gefragt wird, verweist er seine Kritiker direkt auf diesen Anfang. Er fragt sie: "Habt ihr nicht gelesen, daß der Schöpfer sie am Anfang als Mann und Frau schuf? Jesus nimmt Genesis 1 Vers als wahren historischen Bericht und baut darauf seine Lehre auf. Das bedeutet für dich, deine Würde steht felsenfest. Sie steht vollkommen fest, unabhängig von deiner Leistung oder deiner Herkunft. Wenn du dich wertlos fühlst, dann halte an dieser Wahrheit fest. Du bist als reales Abbild des Schöpfers gewollt. Gott hat dich geschaffen, um ihn in dieser Welt zu repräsentieren. Das ist deine unantastbare Würde.
Der siebte Tag: Vollendung und Ruhe
Zuletzt blicken wir auf die Vollendung in Kapitel 2, Vers 3. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von all seinem Werk, das Gott schuf, als er es machte. Wie real diese sechs Schöpfungstage und der siebte Ruhetag sind, bezeugt Gott selbst an einer anderen zentralen Stelle der Bibel. In Exodus begründet er das Sabbatgebot für sein Volk. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, das Meer und alles, was darin ist, und er ruhte am siebten Tag. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und geheiligt. Gott selbst verweist auf die historische Realität seiner Schöpfungswoche, um den wöchentlichen Rhythmus des Menschen festzulegen. Der hebräische Text beschreibt Gottes Arbeit in Kapitel 2 mit dem Wort für das planmäßige Werk eines Baumeisters. Der Kosmos ist als göttliches Heiligtum entworfen, in dem seine Gegenwart wohnt. Am siebten Tag zieht der Bauherr, seine Ruhe ist seine Herrschaft im Kreis seiner Schöpfung.
Die Realität Gottes und die Zuverlässigkeit seines Wortes
Der theologische Herzschlag von Genesis 1 verbindet sich mit der Frage nach der Realität Gottes. Der Hebräerbrief fael 11 Vers 3, zusammen. Durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das Sichtbare aus dem Unsichtbaren entstanden ist. Der biblische Schöpfungsbericht fordert unseren Glauben heraus, der göttlichen Offenbarung über die Geschichte unserer Entstehung rückhaltlos zu vertrauen. Hier wird deutlich, wie das Fundament des Bundes gelegt wird. In den heidnischen Mythen schufen die Götter den Menschen vor allem, um lästige Arbeit abzugeben. Der Mensch war ein Sklave, der die Götter mit Speise versorgen musste. Die biblische Wahrheit zeigt das Gegenteil. Gott bereitet die Wohnung vor, schafft alles Nötige und lädt den Menschen ein, in seine Ruhe einzutreten. Der Sabbat ist der Schlüssel zu dieser Bundesgemeinschaft. Die Sabbatruhe Gottes bedeutet seine souveräne Herrschaft. Gott nimmt seinen Thron ein und der Mensch darf an seiner Ruhe teilhaben. Da der Mensch am Ende des sechsten Tages erschaffen wurde, war der Sabbat sein erster voller Tag auf der Erde. Der Mensch startet mit der Ruhe Gottes in sein Leben. Er arbeitet aus der Ruhe heraus. Hier ist das Prinzip der Gnade bereits auf der ersten Seite der Bibel verankert. Unsere Annahme bei Gott steht am Anfang. Wir ruhen in seinem vollbrachten Werk und aus dieser Gemeinschaft heraus gestalten wir die Welt. Diese Sabbatruhe findet ihre vollkommene Erfüllung in Jesus Christus. Er ruft uns zu. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. So will ich euch Ruhe geben. Wer an Christus glaubt, tritt ein in die wahre Sabbatruhe Gottes. Er darf im vollendeten Erlösungswerk Christi ruhen.
Sabbatruhe und Verantwortung im Alltag
Wie sieht das nun in deinem Alltag aus? Unsere Leistungskultur erzählt uns das genaue Gegenteil. Sie sagt: "Du bist, was du leistest. Wenn du nicht ständig produktiv bist, bist du nichts wert. Wir haben die Arbeit zu unserem Gott gemacht und das Ergebnis ist Erschöpfung und dein tiefes Gefühl der Lehre. Aber wenn du das Bild Gottes trägst, dann hat dein Leben einen anderen Rhythmus." Ich möchte dir heute zwei Fragen mitgeben, über die du in dieser Woche nachdenken kannst. Erstens, gönnst du dir die Sabbatruhe? Dabei geht es um weit mehr als eine reine Auszeit von der Arbeit. Ich meine die innere Haltung des Vertrauens. Kannst du die Arbeit loslassen, weil du weißt, dass der wahre König auf dem Thron sitzt? Sabbatruhe ist ein Akt des Glaubens. Sie sagt Gott, die Welt dreht sich auch ohne mich weiter. Du bist der Schöpfer, nicht ich. Ich ruhe in dir. Und zweitens, wie repräsentierst du den Schöpfer an deinem Arbeitsplatz? Arbeit ist etwas Gutes. Gott arbeitet selbst. Er hat uns als seine Verwalter eingesetzt. Wenn du planst, gestaltest, aufräumst, heilst oder verwaltest, dann tust du das als Bild Gottes. Deine alltägliche Arbeit besitzt eine priesterliche Würde, wenn du sie für den Schöpfer ausführst. Aber sie darf niemals dein Herrscher werden. Ich fordere dich heute heraus. Lass dich nicht von den lauten Debatten ablenken, die diesen Text oft belagern. Nehm in dieser Woche ganz bewusst deine eigene Bibel in die Hand. Schlag die allererste Seite auf. Lies Genesis 1 und die ersten Verse von Kapitel 2 noch einmal selbst. Zeile für Zeile. Achte auf die feine Symmetrie, die präzisen Worte. Bitte Gott, dir beim Lesen seine Größe ganz neu vor Augen zu führen. Laß dich faszinieren von der souveränen Macht deines Schöpfers und von der tiefen Sabbatruhe, die er für dein Leben bereitgestellt hat.

