Johannes · Folge 1 · 11:36 Audio

Das Wort wird Mensch | Johannes 1,1–51

Warum scheint Gott manchmal so weit weg? Zum Auftakt des Johannes-Evangeliums begegnen wir Jesus als dem ewigen Wort, das Mensch wird. Johannes der Täufer weist auf das Lamm Gottes hin, und die ersten Jünger folgen Jesu Einladung, ihn selbst kennenzulernen.

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11:02 Video

Das Wort wird Mensch | Johannes 1,1–51

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Aus dem Podcast

Gedanken aus der Folge

Prüfe diese Gedanken am Bibeltext. Gottes Wort bleibt maßgeblich.

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Lies den Abschnitt Johannes 1,1–51 in deiner Bibel. Nimm dir Zeit, den Worten des Textes nachzugehen und die Gedanken aus der Folge daran zu prüfen.

Fragen zum Bibeltext

  1. Was sagt Johannes 1,1–5 über das Wort, das Leben und das Licht?
  2. Was bedeutet es nach Johannes 1,12–14, Jesus aufzunehmen und Gottes Kind zu werden?
  3. Wie laden Andreas und Philippus andere ein, Jesus kennenzulernen?
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Redaktionell aufbereitetes Transkript. Maßgeblich bleibt die veröffentlichte Audiofolge.

Warum scheint Gott so weit weg?

Herzlich willkommen bei Alpha Scriptura – Die Bibel entdecken.

Wenn es Gott gibt – warum scheint er dann manchmal so weit weg zu sein? Warum spüren wir so wenig von ihm – gerade in den Momenten, in denen wir ihn am dringendsten brauchen?

Das Johannesevangelium gibt eine Antwort, die alles verändert. Gleich im ersten Kapitel steht ein Satz, der die Menschheitsgeschichte in ein Vorher und ein Nachher teilt:

„Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns. Er war voll Gnade und Wahrheit und wir wurden Zeugen seiner Herrlichkeit, der Herrlichkeit, die der Vater ihm, seinem einzigen Sohn, gegeben hat."

Gott ist greifbar geworden. Er hat sich nicht aus sicherer Entfernung gemeldet. Er ist selbst gekommen. Als Mensch. Mit Händen, die man anfassen konnte. Mit einer Stimme, die man hören konnte.

Willkommen bei Alpha Scriptura – Die Bibel entdecken. Heute schlagen wir das vierte Evangelium auf: das Johannesevangelium.

Vier Evangelien und ein besonderer Anfang

Vielleicht fragst du dich: Warum gibt es im Neuen Testament eigentlich vier Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes? Die Erklärung ist einfach: Es sind vier historische Berichte über dieselbe Person – Jesus. Vier verschiedene Blickwinkel auf denselben Mann. Wie vier Kameras, die dasselbe Ereignis aus unterschiedlichen Positionen filmen.

Die frühe kirchliche Überlieferung schreibt diesen Bericht dem Jünger Johannes zu und verbindet seine Abfassung mit der Stadt Ephesus. Das Evangelium selbst beruft sich am Ende auf das Zeugnis des Jüngers, den Jesus liebte. Einen Namen oder ein Entstehungsjahr nennt es dort nicht.

Das ewige Wort: Leben und Licht

Und sein Einstieg ist völlig anders als bei den anderen drei. Johannes schaut nicht auf eine Geburt in Bethlehem. Er schaut viel weiter zurück – noch vor den Anfang der Welt. Hören wir die ersten Verse:

„Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Er war am Anfang bei Gott. Durch ihn wurde alles geschaffen, was ist. Es gibt nichts, was er, das Wort, nicht geschaffen hat. Das Leben selbst war in ihm, und dieses Leben schenkt allen Menschen Licht. Das Licht scheint in der Dunkelheit, und die Dunkelheit konnte es nicht auslöschen."

Johannes nennt Jesus hier „das Wort" – im griechischen Urtext: Logos. Johannes beschreibt dieses Wort als Person: Es war bei Gott, es war Gott, und durch dieses Wort wurde alles geschaffen. Jesus war von Ewigkeit her bei Gott – und er ist der Ursprung von allem, was existiert.

Zwei Dinge fallen dabei auf: Licht und Finsternis.

Finsternis hat physikalisch gesehen keine eigene Substanz. Sie ist einfach die Abwesenheit von Licht. Sobald du das Licht anmachst, ist das Dunkel weg. Johannes gebraucht Licht als Bild für das Leben, das Jesus schenkt. Dieses Licht wird von der Dunkelheit nicht ausgelöscht. Auch wenn Angst, Schuldgefühle oder Orientierungslosigkeit bleiben, dürfen wir uns an Jesus wenden.

Gottes Kinder werden

Aber dann erzählt Johannes etwas Erschütterndes:

„Doch obwohl die Welt durch ihn geschaffen wurde, erkannte die Welt ihn nicht, als er kam. Er kam in die Welt, die ihm gehört, und sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf. All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden."

Der Schöpfer betritt seine eigene Welt – und die Menschen laufen an ihm vorbei. Aber mitten in dieser Ablehnung öffnet Gott eine Tür: Wer Jesus vertraut, wird Gottes Kind. Durch Vertrauen. Allein durch Vertrauen.

Das Wort wird Mensch

Und wie Gott zu uns kommt, beschreibt Johannes mit einem eindrücklichen Bild aus dem Alten Testament:

„Er, der das Wort ist, wurde Mensch und lebte unter uns." Das Bild vom Wohnen erinnert an Gottes Gegenwart bei seinem Volk. Johannes beschreibt hier die Menschwerdung: Der ewige Sohn wurde wirklich Mensch. Er wohnt unter uns – in Fleisch und Blut.

Vers 16 fasst das zusammen:

„Immer und immer wieder haben wir den Reichtum seines Segens empfangen. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; Gottes Gnade und Wahrheit kamen durch Jesus Christus."

Immer und immer wieder seinen Segen empfangen. Das ist wie am Meer: Eine Welle der Güte folgt auf die nächste. Das Gesetz durch Mose war gut – es hat gezeigt, was Gott wichtig ist. Aber durch Jesus schenkt Gott etwas, das tiefer geht: Vergebung und Liebe, die uns von innen heraus verändern.

Was heißt das ganz praktisch für dich?

Weil Jesus wirklich Mensch geworden ist, versteht er dein Leben. Er kennt Erschöpfung. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn Freunde einen im Stich lassen. Er hat Ablehnung erlebt. Vor ihm darfst du ehrlich sein – mit deinen Zweifeln, deinen Fehlern, deinen offenen Fragen. Er begegnet dir genau dort, wo du gerade stehst.

Wie so eine Begegnung mit Jesus aussieht, zeigt uns Johannes an einem Flussufer am Jordan.

Johannes der Täufer

Aber zuerst müssen wir kurz eine Verwechslung klären: Wir begegnen hier zwei Männern, die mit diesem Evangelium verbunden sind und beide Johannes heißen. Der eine ist der Jünger, dem die kirchliche Überlieferung dieses Evangelium zuschreibt. Der andere ist Johannes der Täufer – ein Prophet, der am Fluss Jordan Menschen taufte und zur Umkehr zu Gott aufrief. Zwei völlig verschiedene Personen.

Aus Jerusalem schickt man eine Untersuchungskommission los. Priester fragen Johannes den Täufer nach seiner Identität. Sie wollen wissen, ob er der verheißene Retter ist.

Johannes der Täufer erklärt, dass er eine Stimme in der Wüste ist, die den Weg für den Herrn vorbereitet. Er tauft mit Wasser. Aber er hält sich nicht einmal für würdig, dem Kommenden die Sandalen zu lösen. Damit betont er, wie weit Jesus über ihm steht.

Das Lamm Gottes

Am nächsten Tag sieht Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen. Und er sagt:

„»Seht her! Da ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!«"

Das Lamm Gottes! Dieses Bild erinnert an das Passahfest und an die Opfer im Tempel. Johannes der Täufer bezeugt, dass Jesus die Sünde der Welt wegnimmt. Wie Jesu Hingabe damit zusammenhängt, entfaltet das Neue Testament weiter: Der Hebräerbrief beschreibt sein Opfer als ein für alle Mal geschehen.

Die ersten Jünger

Einen Tag später steht Johannes wieder dort, zusammen mit zwei seiner Jünger. Er blickt auf Jesus und weist noch einmal auf ihn als das Lamm Gottes hin.

Die beiden Männer hören das – und folgen Jesus einfach hinterher. Einer heißt Andreas. Der andere wird nicht namentlich genannt. Es gibt die Deutung, dass dieser zweite Jünger Johannes selbst war. Der Text nennt seinen Namen nicht.

Jesus dreht sich um und stellt den beiden eine einfache Frage:

„»Was wollt ihr?«, fragte er sie. Sie antworteten: »Rabbi« (das bedeutet: Meister), »wo wohnst du?« »Kommt mit, dann werdet ihr es sehen«, sagte er. Es war etwa vier Uhr nachmittags, als sie mit ihm dorthin gingen, und sie blieben für den Rest des Tages dort."

Jesus lädt die beiden ein, mitzukommen. Die Männer verbringen den Nachmittag mit Jesus. Das Evangelium hält sogar die Uhrzeit fest: etwa vier Uhr nachmittags. Hier beginnt für sie eine Begegnung, die ihr Leben verändert.

Andreas sucht sofort seinen Bruder Simon auf und erzählt ihm, dass sie den Messias gefunden haben. Und er bringt ihn direkt zu Jesus.

Jesus schaut Simon an und gibt ihm einen neuen Namen: Kephas – das bedeutet Fels.

Philippus und Nathanael

Am nächsten Tag ruft Jesus einen Mann namens Philippus. Und Philippus macht sich auf die Suche nach Nathanael.

Nathanael ist skeptisch, ob aus Nazareth etwas Gutes kommen kann.

Philippus lädt ihn ein, mitzukommen und sich selbst zu überzeugen.

Als Jesus Nathanael kommen sieht, sagt er:

„»Da kommt ein aufrechter Mann – ein wahrer Sohn Israels.« Nathanael fragte: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete: »Ich sah dich unter dem Feigenbaum, noch bevor Philippus dich rief.« Und er fuhr fort: »Ich versichere euch: Ihr werdet sehen, dass der Himmel offen steht und die Engel Gottes über dem Menschensohn hinauf- und herabsteigen.«"

Was Nathanael unter dem Feigenbaum getan oder gedacht hat, erzählt Johannes nicht. Jesus hatte ihn schon gesehen, bevor Philippus ihn rief. Daraufhin bekennt Nathanael Jesus als den Sohn Gottes und den König Israels.

Und Jesus kündigt ihm an, dass er noch Größeres sehen wird: den offenen Himmel und die Engel Gottes über dem Menschensohn. Erinnerst du dich an Jakob im ersten Buch Mose, der von einer Himmelsleiter träumte? Im Licht dieser Geschichte lässt sich Jesu Bild so verstehen: Er verbindet Himmel und Erde.

Gott schweigt nicht. In Jesus Christus hat er sein persönlichstes Wort an uns gerichtet. In unserer Staffel über die Grundlagen des Bundes sehen wir hier das Fundament: Gott kommt selbst in unsere Welt und baut die Brücke zu uns.

Zwei Fragen für deine Woche

Zwei Fragen zum Mitnehmen in diese Woche:

Was suchst du eigentlich? Jesus hat die ersten Jünger gefragt, was sie wollen. Suchst du bei Gott Beruhigung für dein Gewissen – oder sehnst du dich nach einer echten, lebendigen Beziehung zu ihm?

Und: Für wen könntest du der Philippus sein? Philippus hat Nathanael eingeladen, sich selbst zu überzeugen. Kein Vortrag, kein Überzeugungsversuch. Nur eine ehrliche Einladung. Wem in deinem Leben könntest du diese Woche sagen: Schau es dir selbst an?

Lies in dieser Woche das erste Kapitel des Johannesevangeliums. Nimm dir Zeit dafür.

Bis zum nächsten Mal bei Alpha Scriptura – Die Bibel entdecken. Der HERR segne dich.

Das war Alpha Scriptura. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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