
Folge 4 – Epheser 2,11–3,21
Christus reißt die Mauern nieder | Epheser 2,11–3,21
Paulus erinnert die nichtjüdischen Christen an ihre frühere Ferne von Gottes Verheißungen und an die Nähe, die Christus durch sein Blut schenkt. Am Kreuz schafft er Frieden, versöhnt Juden und Menschen aus den Völkern zu einer neuen Gemeinschaft und baut sie als lebendigen Tempel auf. Paulus betet, dass die Gemeinde die unermessliche Liebe Christi erkennt.
In dieser Folge
Christus reißt die Mauern nieder | Epheser 2,11–3,21
Paulus erinnert die nichtjüdischen Christen an ihre frühere Ferne von Gottes Verheißungen und an die Nähe, die Christus durch sein Blut schenkt. Am Kreuz schafft er Frieden, versöhnt Juden und Menschen aus den Völkern zu einer neuen Gemeinschaft und baut sie als lebendigen Tempel auf. Paulus betet, dass die Gemeinde die unermessliche Liebe Christi erkennt.
Fragen zum Bibeltext
- Wie beschreibt Paulus die Lage der Menschen aus den Völkern vor Christus in Epheser 2,11–13?
- Was sagt Epheser 2,14–18 über Christus als Frieden und den Zugang zum Vater?
- Worum bittet Paulus am Ende von Epheser 3,14–21?
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Dieses Transkript wurde aus der Aufnahme redaktionell aufbereitet. Es ergänzt das Hören; maßgeblich bleibt die veröffentlichte Audiofolge.
Die hoffnungslose Ferne
Kennst du das Gefühl, bei einer Feier der Einzige zu sein, der die Insider-Witze der anderen nicht versteht? Fremd in einer Runde, die sich seit Jahren kennt?
Genau dieses Gefühl – nur unendlich viel tiefer – beschreibt der Brief für die Menschen in Ephesus, bevor sie Christus kannten. Sie waren als Heiden aufgewachsen. Sie hatten keine jüdischen Vorfahren, kannten die Verheißungen des Alten Testaments nicht und lebten fern von den Bündnissen Gottes.
Und der Text erinnert sie schonungslos an ihre düstere Vergangenheit:
Epheser 2,11–13 Denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt Heiden seid und von den Juden als Unbeschnittene verachtet werdet – obwohl deren Beschneidung auch nur ein äußerer Eingriff am Körper ist –, früher weit von Christus entfernt wart. Ihr hattet kein Anrecht auf die Bürgerschaft Israels, und die Bündnisse der Verheißung galten euch nicht. Ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt. Jetzt aber gehört ihr Jesus Christus. Durch sein Blut, das er für euch vergossen hat, seid ihr, die ihr einst so fern wart, nun nahe zu Gott gebracht worden.
Fünf dramatische Beschreibungen stehen hier im Text:
Ohne Messias – ohne Erlöser und ohne Ausrichtung. Ausgeschlossen von der Bürgerschaft Gottes. Fremd gegenüber den Bündnissen der Verheißung. Ohne Hoffnung – ein Dasein, das an der Grabkante endet. Und: Ohne Gott in der Welt.
Wenn der Text hier von der „Bürgerschaft Israels" und den „Bündnissen der Verheißung" spricht, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte dahinter.
Israel war kein Volk, das Gott wegen seiner Größe oder seiner Moral erwählt hätte. Die Schrift selbst zeichnet ein erstaunlich offenes Bild: ein kleines, oft widerspenstiges Volk. Eines, das wenige Wochen nach dem Bundesschluss am Sinai ein goldenes Kalb anbetete. Dessen Könige – von wenigen Ausnahmen abgesehen – Gottes Gebote mit Füßen traten. Dessen Propheten von den eigenen Leuten verfolgt wurden.
Und doch hielt Gott an Seinem Wort fest. Das ist das eigentliche Wunder dieser Geschichte. Nicht Israels Leistung – sondern Gottes Treue, die nicht lässt, was sie hält.
Durch diese Linie, durch all das Scheitern hindurch, kam Jesus Christus aus diesem Volk. In Ihm erfüllen sich alle Verheißungen, die Israel als Träger trug. Er ist das Ziel dieser ganzen Geschichte.
Und der „eine neue Mensch", von dem der Brief gleich sprechen wird – diese neue Gemeinschaft entsteht nicht durch Herkunft oder Kultur. Sie entsteht einzig dort, wo jemand, ob aus dem Volk Israel oder aus den Völkern der Welt, Jesus Christus als seinen Herrn erkennt. Diese Einheit ist kein menschliches Projekt. Sie ist ein Geschenk des Kreuzes – und er hat dafür alles gegeben.
Ephesus war voll von Tempeln und Götzen. Der riesige Artemis-Tempel galt als eines der sieben Weltwunder. Aber die unzähligen Götzen der Stadt gaben keinen Zugang zum wahren Schöpfer.
Doch dann bricht ein einziges Wort hinein: „Jetzt aber." Das Blut Jesu hat die unendliche Entfernung überbrückt.
Die Zerstörung der Trennwand
Wie zerschlägt man eine anderthalb Meter dicke Steinmauer, ohne einen einzigen Stein zu bewegen?
Der Brief beschreibt genau das. Er zeigt, wie der Friede zwischen Juden und Heiden vollzogen wurde – nicht durch einen Abrissarbeiter, sondern durch ein Kreuz:
Epheser 2,14–16 Denn Christus selbst ist unser Friede. Er hat die Juden und die Heiden zu einem einzigen Volk vereinigt, indem er die Mauer der Feindschaft niedergerissen hat, die uns trennte. Durch seinen Tod am Kreuz hat er das jüdische Gesetz mit seinen vielen Geboten und Verboten außer Kraft gesetzt. Er wollte aus den beiden Gruppen einen neuen Menschen schaffen und so Frieden stiften. In einem einzigen Leib hat er beide mit Gott versöhnt durch seinen Tod am Kreuz, durch den die Feindschaft getötet wurde.
Achte auf den ersten Satz: „Christus selbst ist unser Friede."
Friede ist im biblischen Sinn kein abwesender Konflikt. Friede ist eine Person. Jesus bringt Frieden und Er ist der Friede.
In der antiken Welt gab es die Pax Romana – einen Frieden, der durch die brutal ausgefahrenen Schwerter der römischen Legionen erzwungen wurde. Wer nicht gehorchte, wurde unterworfen. Christus stiftet Frieden auf einem völlig anderen Weg: am Kreuz. Er schmilzt zwei tief verfeindete Gruppen – Juden und Heiden – zu einer einzigen neuen Körperschaft zusammen.
Und der Brief nutzt hier ein Bild aus dem Alltag der Leser. Er spricht von der „Mauer der Feindschaft", die niedergerissen wurde.
Im griechischen Urtext steht dafür ein Wort, das wir kurz aufschlüsseln wollen: mesotoichon.
Das Wort setzt sich zusammen aus mesos für „Mitte" und toichos für „Mauer". Es beschreibt eine physische Zwischenwand, die zwei Bereiche unüberwindbar voneinander trennt. Genau wie jene anderthalb Meter hohe Steinmauer im Jerusalemer Tempel.
Diese historische Mauer war keine Metapher. Im Jahr 1871 entdeckte der Archäologe Charles Clermont-Ganneau bei Ausgrabungen in Jerusalem eine dieser originalen griechischen Warntafeln aus dem Tempel. Sie liegt heute im Archäologischen Museum in Istanbul. Ihre eingemeißelten Buchstaben zeugen bis heute von einer tiefen, blutigen Feindschaft zwischen den Völkern.
Das Wort Gottes verkündet: Am Kreuz von Golgatha hat Christus dieses mesotoichon zertrümmert!
Er hat aus beiden Gruppen etwas völlig Neues geschaffen: Einen einzigen neuen Menschen. Die Gemeinde. Am Kreuz erfüllt sich alles, was Gott Israel verheißen hatte. Und zugleich fällt jede Schranke, die Menschen vom Vater trennte.
In dieser neuen Gemeinschaft hat Verachtung keinen Platz mehr. Kein Hass auf den Juden. Keine Überheblichkeit gegenüber dem Fremden. Der Zugang zum Vater steht allen offen – durch denselben Geist.
Und um diese neue Gemeinschaft zu beschreiben, greift der Brief zum Bild eines neuen Tempels. Der alte Tempel in Jerusalem hatte Mauern, die Menschen aussperrten. Der neue Tempel Gottes ist aus lebendigen Steinen gebaut. Die Apostel und Propheten bilden das Fundament. Und Jesus Christus selbst ist der Eckstein.
Im griechischen Urtext steht dort das Wort akrogoniaios. Das beschreibt im antiken Sprachgebrauch den pyramidalen Schlussstein an der Spitze eines Gebäudes. Dieser Schlussstein ist einzigartig: Er besitzt als einziger Stein die Form des gesamten Bauwerks in Miniatur. Er bestimmt alle Winkel. Er passt ausschließlich an die Spitze. Und der gesamte Tempel wächst zu Ihm empor.
Wir sehnen uns alle nach Versöhnung. Danach, dass tiefe Gräben überbrückt werden – in der Familie, in Freundschaften, in der Gesellschaft. Diese Sehnsucht ist echt.
Aber schau dich um: Wir versuchen ständig, Frieden durch Gesetze, Diskussionen oder gesellschaftlichen Druck zu erzwingen. Und oft bauen diese Versuche nur noch höhere Mauern auf. Weil erzwungener Friede kein wirklicher Friede ist.
Der Epheserbrief zeigt die echte Quelle der Versöhnung. Christus selbst ist unser Friede. Am Kreuz hat Er jedes unsichtbare mesotoichon zwischen Gott und dir und zwischen dir und deinen Mitmenschen zerschlagen. Wo Er herrscht, brechen Stolz und Vorurteile in sich zusammen. Du musst deine Feinde nicht mehr bekämpfen – du darfst ihnen im Schatten des Kreuzes vergeben.
Das kosmische Theater und das Geheimnis
Hast du dich je gefragt, ob dein Leben irgendjemandem wirklich zuschaut?
In Kapitel 3 beschreibt der Brief eine unsichtbare Zuschauertribüne – und die Gemeinde steht auf der Bühne.
Dass Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Hintergründen Miterben, Mitleib und Mitteilhaber in Christus werden – das war das von Ewigkeit her verborgene Geheimnis Gottes.
Und dann öffnet der Brief eine erstaunliche Perspektive:
Epheser 3,10 So soll jetzt durch die Gemeinde den Mächten und Gewalten in der himmlischen Welt die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt gemacht werden.
Eine kosmische Bühne. Im Zuschauerraum sitzen die Engel, die Fürstentümer, die Mächte und Gewalten in der unsichtbaren Welt. Sie blicken herab.
Und was ist das Stück auf der Bühne? Es ist die Gemeinde!
Wenn diese unsichtbaren Zuschauer sehen, wie Menschen, die sich früher gehasst hätten, nun in Liebe einander dienen; wenn sie sehen, wie stolze Mauern fallen und Vergebung siegt – dann wird für sie die mannigfaltige Weisheit Gottes sichtbar.
Das bedeutet: Jedes Mal, wenn du einem schwierigen Menschen vergibst, jedes Mal, wenn Christen verschiedener Herkunft in aufrichtiger Liebe zusammenstehen, wird auf dieser kosmischen Bühne etwas von Gottes Weisheit sichtbar, das kein Mensch allein erklären könnte.
Die vier Dimensionen der Liebe Christi
Wie misst man Liebe?
Am Ende von Kapitel 3 kniet Paulus nieder und betet genau darum: dass wir eine Liebe erfassen, die sich nicht in Zentimetern messen lässt.
Er betet um Stärkung am inneren Menschen. Dass Christus durch den Glauben tief in ihren Herzen Wohnung nimmt – bleibend, wie in einer festen Heimat. Dass die Gläubigen in der Liebe Gottes verwurzelt und gegründet werden.
Und dann betet er darum, dass wir fähig werden, die Liebe Christi in all ihren Dimensionen zu erfassen:
Epheser 3,18–19 So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, wie breit und lang, wie hoch und tief die Liebe Christi ist. Ja, ihr werdet diese Liebe erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt, damit ihr erfüllt werdet bis zur ganzen Fülle Gottes.
Ein unermesslicher Raum. Ein kosmisches Heiligtum.
Die Breite dieser Liebe: Sie schließt Menschen aus allen Völkern, allen Kulturen und allen Hintergründen ein. Niemand ist zu weit entfernt.
Die Länge dieser Liebe: Sie reicht von der Ewigkeit vor Grundlegung der Welt bis in alle Zukunft der Ewigkeit. Sie hört niemals auf.
Die Tiefe dieser Liebe: Sie stieg hinab in den tiefsten Abgrund unserer Schuld und unseres Versagens am Kreuz.
Und die Höhe dieser Liebe: Sie hebt uns empor aus dem Staub und setzt uns mit Christus auf den Thron in den Himmelswelten.
In dieser vierdimensionalen Liebe bist du geborgen. Du kannst aus ihr nicht herausfallen. Sie umgibt dich von allen Seiten.
Die Grundlagen des Bundes beruhen auf Gottes freiem und souveränem Handeln. Er zerreißt die Trennwand, Er baut den lebendigen Tempel, Er umhüllt Seine Gemeinde mit einer Liebe, die kein Maßband der Welt erfassen kann.
Drei Fragen für deinen Alltag
Drei Fragen für deine Woche:
Erstens: Welche unsichtbaren Mauern trägst du noch mit dir herum? Gibt es Menschen oder Gruppen, denen gegenüber du eine innere Schutzmauer aufgebaut hast? Bist du bereit, Christus dieses mesotoichon an Seinem Kreuz zertrümmern zu lassen?
Zweitens: Was zeigt dein Leben im kosmischen Theater? Wenn die unsichtbare Welt auf deinen Alltag, deine Beziehungen und dein Gemeindeleben blickt: Sieht sie die Trennung der Welt – oder staunt sie über die versöhnende Weisheit Gottes?
Drittens: Ruhst du in den vier Dimensionen Seiner Liebe? Machst du Gottes Liebe von deinen täglichen Empfindungen abhängig? Oder verankerst du dich in dem gewaltigen Raum Seiner Liebe, die breit, lang, tief und hoch genug ist für jede Krise deines Lebens?
Schön, dass du heute dabei warst bei Alpha Scriptura. In der nächsten Episode schauen wir, wie dieser Friede und diese Einheit im Alltag sichtbar werden – in der Art, wie Christen miteinander leben.
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Bis zum nächsten Mal bei Alpha Scriptura – Die Bibel entdecken. Gott segne dich!
Quellen & Copyright-Hinweise
Bibeltext: Neues Leben. Die Bibel © 2002, 2006, 2017 SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten. / Schlachter 2000 © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten. Studiennotizen & Kommentare: ESV Study Bible: ESV® Study Bible, copyright © 2008 by Crossway. All rights reserved. MacArthur Study Bible: The MacArthur Study Bible, copyright © 1997, 2006, 2011 by Thomas Nelson. All rights reserved. Heinz Schumacher & Prof. E. F. Ströter: Auslegungen zum Epheserbrief (G+H Nr. 1_2014 & Die Herrlichkeit des Leibes Christi). Kulturelle Apologetik: Anwendung auf gesellschaftliche Polarisierung und Versöhnung in Deutschland.

